Papiersammeln – daran scheiden sich die Geister

 

Angelehnt an den Artikel aus 20Minuten

Die Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse der Schule Bannwil-Schwarzhäusern sammeln, in Absprache mit den beiden Gemeinden, zweimal im Jahr Altpapier. Dieses Engagement ist ein Dienst der Schule an den Gemeinden, trägt zum Bewusstsein der SchülerInnen im Umgang mit Ressourcen bei und leistet einen Beitrag zum Umweltschutz. Die Schule erhält daraus einen kleinen finanziellen Zustupf, was den Kindern in Lagern zugutekommt und letztlich das Portemonnaie der Eltern entlastet. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für die tatkräftige, langjährige Unterstützung der BKW bedanken, die uns jeweils einen Mitarbeitenden mit einem Fahrzeug zur Seite stellt.

 

Doch, darf man das Altpapiersammeln den Schülern noch zumuten?

Schulen in der ganzen Schweiz streichen vermehrt das Sammeln von Altpapier: «Für die Schüler sei es zu gefährlich geworden.» Zudem sei das Heben der schweren Bündel gesundheitlich bedenklich.

Tatsächlich ist es so, dass Schulen und Gemeinden im Falle eines Unfall mit juristischen Konsequenzen rechnen müssen.

 

Weil sich die Schule im aargauischen Arni vor einem Unfall beim Papiersammeln fürchtet, hat sie dieses Engagement beendet, berichtet die «Aargauer Zeitung». So wie Arni haben in den letzten Monaten einige Schulen in mehreren Kantonen entschieden – beispielsweise in Nebikon LU und in Muolen SG.

Die Schulleiter haben wohl immer noch den Unfall vom Mai 2007 im Hinterkopf. Eine Primarklasse in Buchrain LU wurde beim Sammeln von einem Lastwagen begleitet. Ein 13-jähriger Schüler geriet währenddessen unter die Hinterachse des rückwärtsfahrenden Lasters und verstarb noch auf der Unfallstelle.

Danach gaben der Schweizerische Gemeindeverband und die Fachorganisation Kommunale Infrastruktur eine Empfehlung an die Gemeinden ab. Man solle doch eine andere Lösung suchen, als die Schüler auf Sammeltour zu schicken: «Die Aspekte der Sicherheit und Unfallverhütung sind aus Sicht der Verbände höher zu gewichten als die finanziellen Aspekte.»

Peter Hofmann, Jurist des Lehrerverbands, sagt zu 20 Minuten: «Ich halte das Risiko für Schüler beim Papiersammeln zu hoch. Der Verkehr hat zugenommen und Schüler – es sammeln auch Fünftklässler – haben ein anderes Risikobewusstsein als wir Erwachsene.» Zudem seien die Schüler am Abend unterwegs.

Nicht alle unterstützen den Entscheid der Schule in Arni: «Wir haben heute die Mentalität, alles abzusichern bis zum Abwinken», sagt Heinz Pfister zur «Aargauer Zeitung». Der Gemeindeammann von Arni bedauert den Entscheid der Schule.

Hofmann widerspricht: «Dass das Papiersammeln für Schüler teilweise abgeschafft wird, entspringt nicht einem übersteigerten Sicherheitsbedürfnis.» Schulen und Gemeinden müssten im Falle eines Unfalls auch mit juristischen Konsequenzen rechnen. «Oft scheint diesen Behörden nicht bewusst zu sein, dass ihnen seitens der Gerichte und Versicherungen bei einem Unfall Eventualvorsatz vorgeworfen werden könnte.» Das würde bedeuten, dass der Unfall bewusst in Kauf genommen worden sei.

Der Jurist sagt, dass die Risiken unterschiedlich gewichtet werden müssten: «Ich bin sonst auch nicht dafür, die Schüler in der Schule einzusperren.» Wenn ein Schüler vom Baum falle und sich etwas breche, müsse man das Klettern nicht verbieten. «Aber wir sprechen in solchen Fällen von einem sozial akzeptierten Risiko.»

Das sagt auch der Präsident des Lehrerverbands, Beat W. Zemp: «Ich verstehe jeden Lehrer, der das Risiko nicht eingehen will. Die zivilrechtlichen und strafrechtlichen Folgen eines Unfalls können Existenzen zerstören.» Es sei heute so, dass es immer einen Schuldigen brauche.

«Schüler sollen lernen, auf sich selber aufzupassen»

Diese Kultur habe sich auf die Arbeit der Lehrer ausgewirkt – zum Beispiel im Schwimmunterricht, auf Exkursionen oder Velotouren. «Dieses Behüten fördert nicht gerade die Entwicklung eines Schülers», sagt Zemp. Man rate auch Eltern, die ihre Schüler mit dem Auto bis vors Schulhaus bringen, das Kind selbstständig werden zu lassen. «Die Schüler sollen den Schulweg zu Fuss machen und dabei lernen, auf sich selbst aufzupassen.»

 

Die beiden Gemeinden Bannwil und Schwarzhäusern in Absprache mit der Schule haben sich dennoch klar zur Beibehaltung der Papiersammlungen bekannt. Wir wollen damit einen Beitrag leisten, unseren Schülerinnen und Schülern Umweltbewusstsein in den Möglichkeiten, Papier zu recyclen, Abfall zu trennen und Ressourcen aufzuzeigen, mit auf den Weg zu geben. Am Tag der Papiersammlungen machen wir auf die Risiken aufmerksam und bestehen darauf, dass unsere Kinder mit Leuchtwesten ausgerüstet gut sichtbar sind. Auch leiten wir sie zu umsichtigen Verhalten im Strassenverkehr an.

Die Selbständigkeit der Kinder zu fördern, ist ein wichtiges Ziel der schulischen Bildung. So gehören Anlässe, wie das Papiersammeln genauso dazu, wie die Kinder anzuleiten, ihren Schulweg selber unter die Füsse/ Räder zu nehmen, pünktlich anzukommen, ihre Arbeitssachen dabei zu haben, … Verbote, Einschränkungen und Überbeschütztheit bringen Kinder keinen Schritt weiter.

Einmalmehr danken wir Ihnen für Ihre Unterstützung, unseren SchülerInnen zu ermöglichen, zu selbständigen, mündigen Erwachsenen heranreifen zu können.

 

Daniel Maag

Schulleiter Schule BAS